Feriengäste mit besonderer Mission
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Autor |
jok (SHN) |
Liga |
NLA |
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Eintragsdatum |
29.05.05 |
Spieldatum |
- |
Ferienidylle im Freibad KSS. Entspannt sitzen Eelco Uri und Gerben Silvis im Restaurant, blinzeln in die Sonne und geniessen den Augenblick. Es herrscht eine Stimmung, wie sie in den Ferien oft aufkommt. Nur Stunden später präsentiert sich die Szenerie völlig anders. Die beiden Holländer schnüren sich die Wasserballkappe, schnappen sich einen Ball, und los geht das Training mit dem SC Schaffhausen. Von Ferien-Feeling keine Spur mehr, und dennoch befinden sich die beiden Holländer eigentlich in ihrer wasserballfreien Zeit. Beide haben ihre Saison mit den griechischen Clubmannschaften abgeschlossen und sich gemeinsam für ein Sommerengagement beim SC Schaffhausen entschieden. Heute (20.15 Uhr, Freibad KSS) feiern sie ihr Heimdebüt. «Nachdem uns Schaffhausens Trainer Uwe Sterzik angerufen hat, war für mich schnell klar: Zusammen mit Eelco wäre das ein schönes Abenteuer, alleine aber nicht», erzählt Gerben Silvis. Nach ein paar Diskussionen entschlossen sie sich, das Abenteuer zu wagen.
Bereits von 2000 bis 2004 waren Uri und Silvis zusammen bei Natation Olympic Nizza unter Vertrag, wo sie von Titel zu Titel eilten. Im letzten Sommer trennten sich ihre Wege aus reglementarischen Gründen. Sie wechselten nach Griechenland, in dessen Liga jedes Team nur einen Ausländer verpflichten darf. Eelco Uri schoss Chania mit seinen Toren auf den fünften Schlussrang, und Gerben Silvis bewahrte PAOK Saloniki vor dem Abstieg.
Viele Gemeinsamkeiten
Die «Wasserball-Zwillinge» haben auch ausserhalb des Beckens viele Gemeinsamkeiten. Nach dem Wirtschaftsstudium hängte Eelco Uri eine Ausbildung zum Physiotherapeuten an, die er ganz kurz vor dem Abschluss abbrach, da er ein nicht auszuschlagendes Vertragsangebot bekam. Ähnlich erging es Gerben Silvis. Als diplomierter Sportlehrer bildete er sich zum Physiotherapeuten weiter. Ein halbes Jahr später flatterte aber auch bei ihm ein Angebot ins Haus, das er der Zweitausbildung vorzog.
Beide opferten die Ausbildung, um ihren Traum der internationalen Karriere zu verwirklichen. Ein Entscheid, den sie nie bereuten. Genauso wenig den Entschluss, sich aus der Nationalmannschaft, mit der sie oft gegen Deutschland mit einem gewissen Uwe Sterzik spielten, zurückzuziehen. Uri machte diesen Schritt vor einem Jahr. «Das Vorgehen des Verbandes passte nicht mit meiner Philosophie überein.» Nach beinahe 200 Spielen für das «Oranje Team» verabschiedete sich Silvis im Januar dieses Jahres. Die WM-Qualifikationsspiele waren vorverschoben worden, und Silvis hätte einige Spiele mit Saloniki verpasst, wenn er dem Aufgebot Folge geleistet hätte. So musste Holland ohne zwei seiner stärksten Akteure auskommen und verpasste die Qualifikation für die WM in Montreal prompt.
Uri besucht «seinen» Kanton
Dass der SC Schaffhausen in der stark besetzten NLA reüssiert, das ist die Mission der beiden Feriengäste. Ihnen macht diese Aufgabe Freude, zumal sie sich sehr wohl fühlen. Besonders angetan sind die beiden Modellathleten von der Landschaft, die sie durch die Auswärtsspiele mit dem SCS zur Genüge sehen. Nach der Partie in Lugano beispielsweise übernachtete Eelco Uri mit seiner Freundin im Tessin und fuhr am Tag darauf gemütlich zurück. Dabei durchquerte er mit dem Kanton Uri «seinen» Kanton. «Ich habe meinen Kaffee dort dennoch bezahlt», lacht der 31-Jährige. Er und sein um zwei Jahre jüngerer Freund sind ohnehin für jeden Spass zu haben. «Ein Team, in dem nicht gelacht werden darf, wird niemals Meister», philosophiert Centerspieler Silvis. «Neben dem Humor darf jedoch auch die Ernsthaftigkeit nicht aus den Augen verloren gehen.» So setzen sich beide im Training und im Spiel voll für den SCS ein. «Wenn es für das Team das Beste wäre, würde ich gar ins Tor gehen», verspricht Uri.
Bis zum Ende der Saison kommt Schaffhausen in den Genuss der beiden Ausnahmekönner. Danach sind ihre Ferien zu Ende. Für welche Teams sie im Herbst spielen, ist noch ungewiss. Die mündlichen Zusagen aus Griechenland sind zwar gemacht, diese gelten im Land des Fussball-Europameisters jedoch nicht viel. Einer allfälligen Vereinssuche sehen Uri und Silvis gelassen entgegen. «Wir finden problemlos einen Club. Es gibt viele Vereine, die uns gerne verpflichten würden.» Bild johannes Keller